Auf der Südseite des Saales: "Märchen"
Die Handlung des Märchens ist durchzogen von tiefen symbolischen Bedeutungen und Anspielungen auf philosophische und gesellschaftliche Fragen. Die Schlange, die Lilie, die Irrlichter und andere Elemente symbolisieren verschiedene Kräfte der Natur und des Geistes.
Das Märchen diskutiert die Beziehung zwischen Wissen, Macht und Schönheit und erkundet die Möglichkeit einer harmonischen Weltordnung durch das Gleichgewicht dieser Kräfte.
Das Märchen wurde in einer Zeit großer politischer Umwälzungen geschrieben, kurz nach der Französischen Revolution. Diese historischen Ereignisse bilden den Hintergrund für die Themen von Macht und gesellschaftlicher Erneuerung, die im Märchen angesprochen werden.
Goethe könnte damit eine verschlüsselte geschichtliche Aufzeichnung über die Geschehnisse der neuzeitlichen europäischen Geschichte geschaffen haben, die wesentlich geprägt war durch die Französische Revolution von 1789 bis 1799. Auf diese Weise war es Goethe wahrscheinlich möglich, trotz herrschender Zensur seine Aussagen über die entscheidenden politischen Ereignisse dieser Zeit zu veröffentlichen.
Der Goldene, der Silberne und der Erzene König verkörpern dabei die Insignien von Macht und Würde.
Warum sollte es also nicht möglich sein, dass Goethe und auch Quandt eine aufkommende Gewaltenteilung dahinter gesehen haben. Der goldene König als die Judikative oder richterliche Gewalt, der silberne König als die Legislative oder gesetzgebende Gewalt und der eherne König als die Exekutive oder ausführende Gewalt. Eine Gewaltenteilung wird, wie die drei Könige, „aufstehen“ und sich durchsetzen. Und die Monarchie, der König aus drei Metallen, wird „sich setzen“ und zerfallen.